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Palette, Pinsel, Plankalkül

Genies und ihre Rückseiten: Winston Churchill und Friedrich den Großen kennt jedes Kind als große Staatsmänner. Aber wussten Sie, dass Churchill Nobelpreisträger für Literatur war? Wussten Sie, dass Friedrich II. Flötenkonzerte schrieb, die noch heute aufgeführt werden? Und ist Ihnen bekannt, dass Albert Einstein konzertreif Violine spielte? Offenbar fordern sehr ausgeprägte Fähigkeiten auf der einen den Ausgleich auf der anderen Seite.

 

Genies entwickeln diesen Ausgleich oft bis zur Perfektion. Churchill, Friedrich, Einstein… Es gibt noch ein weiteres Beispiel für ein solches Doppelleben eines Genies; eines, das uns „ITMenschen“ näher liegt als die Politik oder die Physik: Konrad Zuse. Man kennt ihn als den Erfinder des Computers. Um ein Haar hätte er aber nicht den Computer erfunden, sondern wäre Werbegrafiker geworden. Zuse war ein hervorragender Maler und Künstler. Er war so gut, dass es sich lohnt, ein wenig auf diese Seite des Genies zu schauen.

 

 

Konrad Zuse: "Wachstum", 1984

Bereits mit 15 Jahren zeigte sich Zuses überdurchschnittliche künstlerische Begabung in zahlreichen Aquarellen und Karikaturen. Neben Landschaftsmotiven beschäftigten ihn technische Bauwerke und moderne Architektur. Mit 20 Jahren arbeitete er als Werbegrafiker für die Autoindustrie. Zu dieser Zeit war der Beruf des Reklamezeichners für ihn eine echte Alternative zu einem technischen Beruf. Nach dem Studium des Bauingenieurwesens entschied sich der junge Mann dann aber zunächst für eine Stelle als Ingenieur bei den Henschel-Flugzeugwerken in Berlin.

 

Mit 20 Jahren arbeitete er als Werbegrafiker für die Autoindustrie. Zu dieser Zeit war der Beruf des Reklamezeichners für ihn eine echte Alternative zu einem technischen Beruf. Nach dem Studium des Bauingenieurwesens entschied sich der junge Mann dann aber zunächst für eine Stelle als Ingenieur bei den Henschel-Flugzeugwerken in Berlin. 

 

 

"Zu faul zum Rechnen"  

Nur wenige Jahre nach dem Beginn seiner beruflichen Karriere entschied sich Zuse zu einem drastischen Schritt: Weil er, wie er selbst scherzhaft über sich sagte, „zu faul zum Rechnen war“, kündigte er 1935 seine aussichtsreiche Stelle und teilte seinen verblüfften Eltern mit, dass er deren Wohnzimmer benötige, um eine neuartige Rechenmaschine zu bauen. Er hatte die Vision, die stupide Arbeit des Rechnens durch eine vollautomatische Maschine erledigen zu lassen. Wie auch andere Pioniere der Entwicklung von automatischen Rechenmaschinen war Zuse über die stupiden Rechnungen – in seinem Fall handelte es sich um Kalkulationen im Bauingenieurwesen – schockiert. Er war der Auffassung, dass lebendige, schöpferische Menschen ihr Leben nicht mit nüchternen Rechnungen verschwenden sollten.

 

 

"Wenn die Computer zu mächtig werden, dann zieht den Stecker aus der Steckdose."

 

 

 

Der Künstler Zuse  

Dies scheint ebenso seine Erfindung wie seine künstlerische Tätigkeit zu erklären, denn die Kreativität des genialen Kopfes ließ sich nicht auf die Erfindung des Rechners oder später die Leitung seiner Firma einengen. Aus dem Wohnzimmer der Eltern wurde bald ein eigenständiges Wirtschaftsunternehmen, das bis 1967 sowohl eine universelle algorithmische Sprache als auch programmgesteuerte Modelle und automatische Zeichentische entwarf. Der Malerei blieb Zuse trotzdem zeitlebens treu: Wenn ihn seine Firma über Gebühr in Anspruch nahm, malte er Hochhausschluchten, Phantasielandschaften und gotische Fenster mit intensiver Farbgebung und kräftigen Lichteffekten.

 

 

Konrad Zuse: "Wohnen und Freizeit", 1980

Seine Ölgemälde waren stark von einem Expressionismus mit futuristischem Engagement geprägt. Schon als Schüler und Student malte er meist gegenständlich, aber nicht naturalistisch; er malte also weniger, um die Wirklichkeit festzuhalten, sondern um die Objekte seiner Phantasie darzustellen. Er liebte Hochhäuser, technische Anlagen, Braunkohletagebau, Kathedralen, Brücken. Sie verwendete er als Motive, aber auch für abstrakte Darstellungen. Ein Stilmerkmal des Malers Konrad Zuse war der Umgang mit Farben, die auf den Betrachter kräftig, unruhig und wuchtig wirken. Anders sind seine Werbegrafiken für die Automobilindustrie aus den dreißiger Jahren. Sie zeigen seinen Sinn für ästhetische Bildaufteilung und hohe technische Detailpräzision. In den Jahren 1945/46 schuf Konrad Zuse zudem gut ein Dutzend Holzschnitte.

 

 

Konrad Zuse persönlich 

In den letzten Jahren seines Lebens zeichnete Konrad Zuse auch Portraits. Neben Selbstbildnissen entstanden Bilder von Roman Herzog und Heinz Nixdorf. Eines seiner letzten Werke war das Portrait von Bill Gates, das Zuse ihm auf der CeBIT 1995 persönlich überreichte. Seine Werke wurden bereits auf vielen Ausstellungen gezeigt und sind begehrte Sammlerobjekte. Angesprochen auf den ihm von verschiedenen Seiten verliehenen Titel „Erfinder des Computers“, hat Konrad Zuse sich stets bescheiden geäußert: “Es hat viele Erfinder außer mir gebraucht, um den Computer, so wie wir ihn heute kennen, zu entwickeln. Ich wünsche der nachfolgenden Generation alles Gute im Umgang mit dem Computer. Möge dieses Instrument Ihnen helfen, die Probleme dieser Welt zu beseitigen, die wir Alten Euch hinterlassen haben."

 

 

Konrad Zuse (1910 bis 1995)

1935

Diplom für Bauingenieurwesen, danach Statiker

bei den Henschel-Flugzeugwerken

1936-38

Fertigstellung der ersten Rechenmaschine,

die Zuse 1

1941

Entstehung der Z3, des ersten voll funktionsfähigen

programmgesteuerten Rechners der Welt

1941-45

Entwicklung der universellen algorithmischen

Sprache "Plankalkül"

1956

Entwicklung des automatischen Zeichentisches

Graphomat Z64

1957

Entwicklung weiterer programmgesteuerter

Modelle (Z11, Z22, Z23, Z25 und Z31, Z64

und andere)

ab 1966

Entwicklung theoretischer Grundlagen der

Computer-Technik, Autobiographie

1992

Bau des Helixturms

 

 

Für weitere Informationen über Konrad Zuse und als

Bezugsquelle für Grafiken und Drucke empfehlen wir:

 

http://www.zuse.info 

Ihr Ansprechpartner

Roland  Gruschka
Roland Gruschka
Pressesprecher
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