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Klassiker der Technik: Ericssons "Dackel"

Die Forschung streitet, wer genau das Telefon erfunden hat. Fest steht, dass Alexander G. Bell 1876 erstmals ein Patent für etwas anmeldete, bei dem die Übertragung von Tönen über elektrische Leitungen dem ähnelt, was wir heute als ein Telefon bezeichnen würden. Im gleichen Jahr begann ein schwedischer Ingenieur in Stockholm in einer kleinen Werkstätte entsprechende Apparate zu bauen. Lars Magnus Ericsson startete eher bescheiden.

    

Wie entsteht eigentlich Innovation? Oft geht es so: Der Amerikaner Almon Brown Strowger etwa hatte keinerlei tiefer als 200 cm gehenden technischen Ambitionen. Er war aber ein echter Selfmademan: Er war der Meinung, dass das "Fräulein vom Amt", das Telefonate manuell durch „Stöpseln“ per Hand verband, Anrufer immer an seine Konkurrenz weitervermittelte. Deshalb erfand ausgerechnet dieser Bestattungsunternehmer aus Kansas City 1891 das erste automatische Telefonvermittlungssystem. Das aus Hunderter-, Zehner- und Einerstellen bestehende Tastensystem war technisch richtungsweisend. Strowger verdiente jedoch nur wenige Tausend Dollar mit seinem Patent. Als es schließlich für einige Millionen weiterveräußert wurde, war er schon – unter der Erde.

    

Bild links: Ein Kerzenhalter? Nein – Ericcsons erstes Telefon Bis zum AC100 baute auch Ericsson Wandtelefone.
Bild rechts: Hier eine Abbildung aus dem Produktkatalog von 1892 von 1878

   

  

Ericsson hingegen startete bereits nach wenigen Jahren mit einem Riesenerfolg. Er kreierte mit dem Typ AC100 einen neuen technologischen Trend: Das erste Telefon-Tischgerät mit Handapparat. Über Jahrzehnte sahen Telefone dann so aus, wie er es konstruiert hatte. Vorher hatte es – wie auch bei Ericssons ersten Apparaten – lediglich eine an einem Kabel bewegliche Hör-, stets aber eine fest installierte Sprechmuschel gegeben. Durch technische Verbesserungen und eine neuartige Anordnung der Hauptkomponenten
waren die zu dieser Zeit üblichen Wandtelefone an Mobilität und damit natürlich Komfort überholt.

    

Das Telefon wurde sofort ein derartiger nationaler und internationaler Erfolg, dass es 1894 grafischer Bestandteil von Ericssons erstem eingetragenen Warenzeichen wurde. Bis in die 30er Jahre hinein wurden über zwei Millionen Stück gefertigt. Das AC100 stand im Ruf großer Lebensdauer. Kein Wunder: Die massive Konstruktion wog 5 kg. Allein beim Schweizer Militär waren zur Zeit des 2. Weltkrieges noch über 3.000 Stück im dienstlichen Einsatz. Ericsson selbst konnte mit der Produktion kaum die Nachfrage befriedigen. Seine Apparate wurden daher in Lizenz in diversen Ländern gefertigt. Ebenso viele Sprachen fanden Spitznamen für das AC100: "Taxen" (Dackel) hieß es in Schweden, "Nähmaschine" in Dänemark, "Eiffelturm" in den USA und in Norwegen, "The Skeleton Type" in England, die "Spinne" in Italien und "Skelettapparat" in Deutschland.

   

Das Erfolgsmodell stand auf den Schreibtischen illustrer Kundschaft. Der russische Zar Nikolaus II. ließ für seinen Haushalt zehn Apparate speziell anfertigen. Neben Zierrat aus reinem Gold und Elfenbein war das Kabel in den russischen Nationalfarben weiß, blau und rot geflochten.

  

Wenn man das AC100 ansieht, erscheint es wie ein zwar altertümlicher, aber dennoch vertrauter Entwurf, dem lediglich der Mantel ausgezogen wurde. Dabei hatte das Design noch nichts mit heutigen Überlegungen gemein, Rechner-, Staubsauger- und Handygehäuse aus durchsichtigem Kunststoff oder aber Uhren mit einem Rückendeckel aus Glas zu fertigen, um die Technik im Inneren sichtbar zu machen. Hier gab ausschließlich die Funktionalität die Form vor, die dann – auf viele verschiedene Arten anders verkleidet – weiter adaptiert wurde. Eben ein Klassiker.

    

Ericsson konnte sein Unternehmen bis zu seinem Tode 1926 stetig vergrößern. Auch an den für ihn selbst ausgestatteten Büroräumen wird dies deutlich. Sie sind heute in Stockholm in das Technik-Museum integriert.

  

    

Ericssons erste Werkstatt in Stockholm von 1876…
… hätte bequem in seinem späteren Privatkontor Platz gefunden. Die Decken schmückten dort telefonierende Stuck-Putten.

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